Neues Gesetz für bessere Pflege

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Seit Jahresbeginn gilt das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (PNG). Was sich aufgrund des sperrigen Namens zuerst nach mehr Bürokratie anhört, bedeutet in der Realität, dass vor allem Patienten mit Demenz eine bessere und umfangreichere Pflege erhalten sollen. Zudem soll das Gesetz pflegebedürftigen Menschen ermöglichen, länger selbstständig und selbstbestimmt zu leben. Pflegende Angehörige sollen zudem stärker entlastet werden.

Mehr Pflegegeld

Zu den gerade für an Demenz Erkrankte wichtigsten Neuerungen des Gesetzes gehören erweiterte Leistungen von Pflegediensten und eine Erhöhung des Pflegegeldes. So erhalten Patienten mit Demenz in der Pflegestufe 0 neben den bislang schon beziehbaren 100 beziehungsweise 200 Euro für zusätzliche Betreuungsleistungen nun auch ein Pflegegeld von 120 Euro oder Pflegesachleistungen von bis zu 225 Euro. Dazu zählen Hilfe, Unterstützung und Beaufsichtigung im häuslichen Umfeld und Aktivitäten zur Gestaltung des Alltags durch einen Pflegedienst.

Demenzbetroffene in Pflegestufe I erhalten ein um 70 Euro höheres Pflegegeld von 305 Euro, die Höhe der gewährten Pflegesachleistungen steigt um 215 Euro auf bis zu 665 Euro. Pflegebedürftige in Pflegestufe II erhalten seit Jahresbeginn ein um 85 Euro höheres Pflegegeld von 525 Euro oder um 150 Euro höhere Pflegesachleistungen von bis zu 1.250 Euro.

Flexiblere Leistungen und mehr Rechte

Und noch ein Novum bietet das Gesetz: Neben der bisher üblichen Abrechnung nach Leistungskomplexen können Pflegebedürftige mit ihrem Pflegedienst nun auch eine Vergütung nach Zeit vereinbaren. So können Patienten mit Demenz und ihre Angehörigen die benötigten Leistungen nach ihren eigenen Bedürfnissen zusammenstellen. Berechnet wird dann die Zeit, die ein Pflegedienst dafür aufwendet. Der Pflegebedürftige kann je nach Bedarf zwischen dem alten und neuen Vergütungssystem wechseln. Welche Leistungen nach welchem System erbracht werden, vereinbaren die Pflegedienste gemeinsam mit den Pflegebedürftigen.

Neben mehr Mitspracherecht bei der Gestaltung der Pflege sieht das neue Gesetz auch mehr Rechte für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen gegenüber den Pflegekassen und dem Medizinischem Dienst der Krankenkassen (MDK) vor. Zur Sicherstellung einer frühzeitigen Beratung müssen die Pflegekassen Antragstellern zukünftig einen Beratungstermin innerhalb von zwei Wochen unter Nennung eines Ansprechpartners anbieten. Die Beratung soll auf Wunsch des Versicherten in der häuslichen Umgebung oder in der Einrichtung, in der der Versicherte lebt, erfolgen. Können Pflegekassen diese Leistung nicht selbst in der geforderten Frist erbringen, erhalten die Antragsteller einen Gutschein für die erforderliche Beratung durch einen anderen qualifizierten Dienstleister.

Erfolgt innerhalb von vier Wochen nach Antragstellung keine Begutachtung, ist die Pflegekasse verpflichtet, dem Versicherten mindestens drei Gutachter zur Auswahl zu benennen, damit es auch ohne den MDK voran gehen kann. Treffen Pflegekassen ihre Begutachtungsentscheidungen nicht fristgerecht, erhalten Antragsteller für jede begonnene Woche der Fristüberschreitung 70 Euro als erste Versorgungsleistung.

Weiterführende Informationen:

Ausführliche Informationen zum neuen Gesetz hat das Bundesministerium für Gesundheit zusammengestellt:
http://www.bmg.bund.de/pflege/das-pflege-neuausrichtungs-gesetz.html

Einen Leitfaden für Betreuer und Pflegende, der nicht nur das neue Gesetz vorstellt, sondern auch Handlungsempfehlungen für die praktische Arbeit gibt, hat der Walhalla-Verlag herausgegeben:
Horst Marburger (2012): Demenzkranke pflegen – Neue Leistungen 2013. 17,95 Euro; ISBN: 978-3-8029-3465-0

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letzte Änderung 29. August 2016, 14:53 Uhr

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Stand: 22-Nov-2017, 04:40 AM
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