Früherkennung: Demenzdiagnose schon bevor Symptome auftreten

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carmen_steiner

Um eine Alzheimer-Erkrankung zu stoppen, müssten zukünftige Therapien in einem viel früheren Stadium ansetzen, als dies heute der Fall ist. Deshalb wird in der Alzheimer-Forschung nicht nur intensiv nach neuen Wirkstoffen und Therapieoptionen gesucht, sondern auch nach Wegen, die Erkrankung möglichst früh zu erkennen, bestenfalls schon bevor sich erste Symptome, wie zum Beispiel Gedächtnislücken, zeigen.

Biomarker messen und analysieren

Viele Wissenschaftler setzen in der Früherkennung der Alzheimer-Erkrankung auf die Messung sogenannter Biomarker, etwa im Blut oder im Liquor. Dabei handelt es sich um körpereigene Substanzen, die bei einer bevorstehenden Alzheimer-Erkrankung in veränderter Konzentration auftreten. Alternativ können Biomarker auch Substanzen sein, die von außen in den Körper gegeben werden und dort an alzheimertypische Strukturen binden.

Alzheimer-Plaques sichtbar machen

Charakteristisch für die Alzheimer-Erkrankung sind Ablagerungen des Peptids Beta-Amyloid im Gehirn, die Beta-Amyloid-Plaques. Bereits heute gibt es verschiedene Substanzen, die an diese Plaques binden und mithilfe bildgebender Verfahren wie der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) sichtbar gemacht werden können.

Für die Anwendung der PET als Screening-Instrument – also zur vorsorglichen Untersuchung großer Bevölkerungsgruppen – ist das Verfahren bislang jedoch noch zu aufwendig. Eine mögliche Lösung für dieses Problem stellten in diesem Jahr Forscher vom Universitätsklinikum Leipzig vor.

Ein Froschgift in der Früherkennung?

Sie haben aus dem Froschgift Epibatidin einen neuen, selbst ungiftigen Biomarker erzeugt, der an Rezeptoren für den Nervenbotenstoff Acetylcholin bindet und mithilfe einer PET gemessen werden kann.

Schon früh im Verlauf der Alzheimer-Erkrankung wird die Anzahl an Acetylcholin-Rezeptoren verringert, und zwar von löslichem Beta-Amyloid, noch bevor sich daraus die für die Krankheit typischen Beta-Amyloid-Plaques bilden. Der Biomarker gibt also indirekt Auskunft über die Menge an potenziell plaquebildendem Beta-Amyloid im Gehirn.

Bislang war es zwar schon möglich, mithilfe der PET Beta-Amyloid-Plaques im Gehirn sichtbar zu machen, doch die neue Methode kann eine drohende Alzheimer-Erkrankung schon sehr viel früher aufspüren. Zudem dauere der Scan nur etwa 15 Minuten, berichten die Wissenschaftler um Prof. Osama Sabri. Bei bisherigen PET-Biomarkern habe der Scan bis zu sieben Stunden gedauert.

Liquor: Informativ aber schwer zu bekommen

Neben der Bildgebung versuchen Forscher auch noch über andere Messverfahren das Alzheimer-Risiko einer Person aufzuklären. Möglich ist dies über die Entnahme einer Liquorprobe – Nervenflüssigkeit aus dem Rückenmarkskanal. In Studien hat sich nämlich gezeigt, dass bei Alzheimer-Patienten und Personen mit erhöhtem Alzheimer-Risiko die Konzentrationen verschiedener Substanzen, wie des Tau-Proteins oder des Beta-Amyloid-Peptids Aβ42, in der Nervenflüssigkeit verändert sind.

Da es sich bei der Entnahme einer Liquorprobe um ein recht invasives Verfahren handelt, ist ein weiteres Ziel der Alzheimer-Forschung, frühe Anzeichen einer Alzheimer-Erkrankung im Blut zu finden. Tatsächlich ist das typische Alzheimer-Peptid Beta-Amyloid auch im Blut vorhanden, es lassen sich auch charakteristische Veränderungen messen, wenn eine Alzheimer-Erkrankung droht. Allerdings haben sich diese Bluttests auf Alzheimer-Marker in Untersuchungen bisher nur als wenig zuverlässig erwiesen. Experten gehen deshalb davon aus, dass bis zur Entwicklung eines zuverlässigen Alzheimer-Bluttests noch Jahre vergehen werden.

Gibt es bald die Alzheimer-Vorsorge?

Alle bisher zur Verfügung stehenden Methoden zur Früherkennung der Alzheimer-Erkrankung sind also entweder sehr aufwendig, invasiv oder noch nicht zuverlässig genug. Deshalb sind groß angelegte, vorsorgliche Untersuchungen, wie etwa in der Krebsvorsorge, bislang noch nicht sinnvoll. Anders sieht das bei Menschen aus, bei denen bereits erste kognitive Symptome auftreten und eine mögliche Alzheimer-Erkrankung abgeklärt werden soll. Sie könnten von weiterführenden Untersuchungen profitieren. Doch wie sehen solche frühen kognitiven Symptome aus? Lesen Sie hierzu im zweiten Teil unseres Monats-Specials weiter.

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letzte Änderung 29. August 2016, 14:53 Uhr

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Stand: 22-Nov-2017, 04:49 AM
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