Bericht über die Versorgung von Demenzkranken weltweit

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In diesem Monat (April 2012) hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammen mit Alzheimer’s Disease International (ADI) den Report „Dementia: a public health priority“ veröffentlicht. Der von internationalen Experten ausgearbeitete Report enthält die derzeit umfassendste Zusammenstellung des Wissens über die Häufigkeit von Demenzerkrankungen und die Versorgungssituation weltweit.

Der Bericht macht deutlich, dass Demenzerkrankungen nicht nur in den westlichen Industrieländern auftreten. Es handelt sich vielmehr um ein globales Problem, das auch weniger entwickelte Länder wie China, Indien und Lateinamerika mit Zunahme der Lebenserwartung dramatisch treffen wird.

Demenz soll gesundheitspolitischer Schwerpunkt werden

Die Autoren des Reports fordern, dass Demenzerkrankungen weltweit ein Schwerpunkt der Gesundheitspolitik werden müssen. Im Moment sind dem Bericht zufolge auf der ganzen Welt fast 36 Millionen Menschen demenzkrank (davon 1,2 Millionen in Deutschland) – und der Trend geht weiter nach oben. Schätzungen zufolge sollen es bis zum Jahr 2030 sogar rund 66 Millionen Betroffene sein.

Nach dem Auftreten der ersten Symptome – vor allem Gedächtnis- und Orientierungsstörungen – können die Erkrankten heute noch viele Jahre weiterleben. Deshalb müssen dem Report zufolge in allen Ländern baldmöglichst Strategien etabliert werden, wie die Betroffenen dabei unterstützt werden können, weiterhin ein lebenswertes Leben zu führen und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Es fehlt an Nationalen Demenzplänen – auch in Deutschland

Wie in Deutschland auch, liegt die Pflege und Betreuung Demenzkranker in den meisten Ländern vor allem in den Händen der Angehörigen. Da dies eine große Belastung sein kann, brauchen pflegende Angehörige angemessene soziale, gesundheitliche und finanzielle Unterstützung – und dafür sind entsprechende gesetzliche Regelungen notwendig.

Deshalb kritisiert Dr. Shekar Saxena von der WHO, Mitautorin des Reports, dass „zur Zeit nur acht von 194 WHO-Mitgliedsstaaten Nationale Demenzpläne haben“. Sie hofft, dass die anderen Länder bald folgen und diesen Report als Ausgangspunkt nutzen werden, um eigene Demenzstrategien zu erarbeiten und umzusetzen. Auch Deutschland hat bislang keine einheitliche nationale Strategie für den Umgang mit der gesellschaftlichen Herausforderung Demenz.

Standards für die Versorgung von Demenzkranken schaffen

„Wir haben Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Brief vom 21. Oktober 2011 aufgefordert, dafür zu sorgen, dass auch in Deutschland ein Nationaler Demenzplan verabschiedet wird“, betont Heike von Lützau-Hohlbein, Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Ein Demenzplan für Deutschland sollte Standards für die Versorgung von Demenz-Patienten definieren.

Am dringlichsten sei es, eine frühe Diagnose und eine leitliniengerechte Behandlung der Erkrankten zu gewährleisten, sagt Lützau-Hohlbein. Zudem müsse ein abgestuftes Versorgungssystem geschaffen, die Familien besser unterstützt und das bürgerschaftliche Engagement gefördert werden.

Angehörige und Betroffene in Entscheidungen einbeziehen

Bei der Ausarbeitung von gesetzlichen Regelungen und sozialen, medizinischen und pflegerischen Unterstützungsangeboten sollten das Erfahrungswissen der pflegenden Angehörigen und auch die von Menschen mit Demenz geäußerten Wünsche und Bedürfnisse einbezogen werden, heißt es in dem WHO-Report, der zur Eile drängt.

Weltweit müssten die Gesellschaften baldmöglichst so umgestaltet werden, dass Menschen mit Demenz Verständnis und Unterstützung finden. Hierfür sei es notwendig, Demenz zu einem Schwerpunkt der Gesundheits- und Sozialpolitik zu machen, in den Ausbau der Unterstützungsangebote zu investieren und die Forschung verstärkt zu fördern.

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letzte Änderung 29. August 2016, 14:53 Uhr

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Stand: 22-Nov-2017, 01:40 PM
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