Stress und Kummer können Demenzentstehung fördern

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Warum bekommen eigentlich einige Menschen Alzheimer und andere nicht? Eine Reihe von Risikofaktoren ist zwar bekannt – etwa fortgeschrittenes Alter, Bluthochdruck, Diabetes oder ein körperlich und geistig inaktiver Lebensstil –, über den ultimativen Auslöser der Krankheit herrscht jedoch noch Unklarheit.

Ein argentinisches Forscherteam hat jetzt Hinweise auf einen möglichen Krankheitsauslöser gefunden: Stress. Dr. Edgardo Reich von der Universität Buenos Airesstellte die Forschungsergebnisse seines Teams bei der22. Jahrestagung der Europäischen Neurologengesellschaft in Prag vor.

Belastende Lebensereignisse als Auslöser

„Es stimmt natürlich, dass es immer mehr Betroffene gibt, weil heute mehr Menschen ein hohes Alter erreichen. Aber man muss nicht zwingend Alzheimer bekommen, weil man über 80 ist. Ausbruch und Verlauf der Erkrankung sind offenbar nicht nur von biologischen Faktoren abhängig. Auch Umweltfaktoren wie Stress könnten eine Rolle spielen“, führte Dr. Reich aus.

In einer aktuellen Studie hat er mit seinem Team107 Patienten untersucht, bei denen eine mögliche Alzheimer-Erkrankung eines leichten bis mittleren Stadiums diagnostiziert worden war. Zwischen dieser Diagnose und dem Auftreten der ersten Symptome waren durchschnittlich 2,5 Jahre vergangen.

Der Gruppe der Alzheimer-Patienten wurde eine Kontrollgruppe mit gesunden Studienteilnehmern gegenübergestellt, die der Alzheimergruppe hinsichtlich Alter, Geschlechterverteilung und Bildungsniveau entsprach.

Beide Gruppen – bzw. Familienangehörige oder Pflegepersonen – wurden befragt, ob es in den letzten drei Jahren vor der Alzheimer-Diagnose zu besonderen Belastungen gekommen war.

Schwere emotionale Belastungen vor Alzheimer-Erkrankung häufig

„Tatsächlich hatten drei von vier Alzheimer-Patienten schwere seelische Belastungen zu verkraften – dreimal so viele wie in der Kontrollgruppe, in der in den letzten drei Jahren nur etwa einer von vier Stress, Kummer und Sorgen erlebt hatte“, berichtete Dr. Reich. Die meisten Belastungen betrafen den Tod des Partners oder der Partnerin, den Tod eines Kindes, Gewalterfahrungen durch tätliche Übergriffe oder Raubüberfälle oder Autounfälle, die zwar keine schweren körperlichen, dafür aber seelische Verletzungen hinterlassen haben dürften. Belastend und damit krankmachend waren auch finanzielle Probleme, „Pensionsschock“, migrationsbedingte Anpassungen oder die Diagnose einer schweren Erkrankung bei einem Familienmitglied.

Mehr auf die seelische Gesundheit achten – insbesondere im Alter

„Stress ist nach unseren Ergebnissen wohl ein Auslöser für erste Demenz-Symptome. Ich schließe zwar aus, dass Stress alleine Demenz auslösen kann, in der Forschung verdichten sich jedoch die Beweise, dass Stress einen Abbauprozess im Gehirn anstoßen kann“, so Dr. Reich.

Weitere Untersuchungen seien notwendig, um diese Mechanismen im Detail zu erfassen. „Auf der Hand liegt aber jetzt schon, dass mehr als bisher auf die seelische Gesundheit der Menschen geachtet werden sollte, auch und gerade im höheren Alter“, betonte er.

Quelle:
22. Jahrestagung der europäischen Neurologengesellschaft, Prag, 9. bis 12. Juni 2012 (ENS Abstract P 528: “Development of Alzheimer's disease and recent stress events”)

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letzte Änderung 29. August 2016, 14:53 Uhr

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Stand: 20-Nov-2017, 04:44 AM
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