Selbstbestimmung Demenzkranker achten und bewahren

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In Medizin, Politik und Pflege standen bislang vor allem die mit Demenz verbundenen Defizite im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Doch der Mensch ist nicht nur ein denkendes, sondern auch ein empfindendes, emotionales und soziales Wesen.

Eine aktuelle Stellungnahme des Deutschen Ethikrates erinnert deshalb daran, dass auch Demenzkranke „noch zahlreiche Ressourcen haben“. Das Gremium macht deutlich, dass auch Menschen mit Demenz noch Möglichkeiten zur Selbstbestimmung haben, die wahrgenommen und unterstützt werden sollten.

Recht auf Teilhabe an der Gesellschaft

„Demenz darf nicht ausschließlich unter medizinischen und pflegerischen Aspekten gesehen werden“, betont auch Heike von Lützau-Hohlbein, Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, „denn auch Menschen mit Demenz haben ein Recht auf Teilhabe an der Gesellschaft.“

Bislang kann die Alzheimer-Krankheit durch Medikamente verzögert, aber nicht dauerhaft aufgehalten werden. Ein an Demenz erkrankter Mensch ist im Verlauf seiner Krankheit mit der fortschreitenden Abnahme seiner Selbstständigkeit und zunehmender Hilfsbedürftigkeit konfrontiert.

Der Deutsche Ethikrat hat deshalb in seiner Stellungnahme Empfehlungen für einen achtsameren und die Selbstbestimmung wahrenden Umgang mit den derzeit etwa 1,2 Millionen Demenzkranken in Deutschland ausgesprochen.

Empfehlungen des Deutschen Ethikrats

  1. Von der Bundesregierung soll ein Nationaler Aktionsplan Demenz entwickelt werden. So soll die medizinische, pflegerische und soziale Versorgung von Demenzkranken in Deutschland flächendeckend verbessert werden. Durch einen Nationalen Aktionsplan Demenz soll zudem die gesellschaftliche Akzeptanz und Teilhabe von Menschen mit Demenz verstärkt und ihr Anspruch auf Selbstbestimmung anerkannt werden.
  2. Durch eine neue Definition des Begriffs „Pflegebedürftigkeit“ sollen die Selbstbestimmungsmöglichkeiten von Menschen mit Demenz und ihre Ansprüche an Leistungen aus der Pflegeversicherung verbessert werden.
  3. Die meisten Demenzkranken werden zuhause von ihren Angehörigen gepflegt. Diese müssen wirksam unterstützt werden, etwa durch finanzielle Zuschüsse oder spezielle Entlastungsangebote. Zudem sollte1 geprüft werden, ob die aus der häuslichen Pflege vertrauten Personen einen Demenzkranken auch im Krankenhaus betreuen könnten.
  4. Ambulant betreute Haus- und Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz sollten finanziell stärker gefördert werden. Dazu zählen insbesondere wohnortnahe Wohn-Pflege-Gemeinschaften, die einen weitgehende Selbstbestimmung ermöglichenden Rahmen schaffen und in denen professionell Pflegende und Angehörige zusammenarbeiten.
  5. Die Forschungsförderung im Bereich der Demenz sollte verstärkt die klinische und pflegerische Anwendbarkeit der Ergebnisse berücksichtigen.
  6. Um die Selbstbestimmungsmöglichkeiten demenzkranker Menschen zu wahren und zu schützen, sollten die Grundsätze der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, die auch für Demenzbetroffene gelten, konsequent zur Anwendung kommen.
  7. Die Bereitschaft Angehöriger zur Übernahme ehrenamtlicher Betreuungen sollte durch praktische Unterstützung während der Betreuung und durch gesellschaftliche Wertschätzung gestärkt werden.

Weitere Informationen:

Stellungnahme des Deutschen Ethikrates im Internet:
http://www.ethikrat.org/dateien/pdf/stellungnahme-demenz-und-selbstbestimmung.pdf

Quellen:
1. Stellungnahme „Demenz und Selbstbestimmung, Deutscher Ethikrat, 24. April 2012
2. Pressemitteilung „Deutscher Ethikrat: Selbstbestimmung Demenzbetroffener achten und bewahren“, Deutscher Ethikrat, 24. April 2012
3. Pressemitteilung „DAlzG begrüßt die Stellungnahme „Demenz und Selbstbestimmung“ des Deutschen Ethikrats“, Deutsche Alzheimer Gesellschaft, 24. April 2012

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letzte Änderung 29. August 2016, 14:53 Uhr

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Stand: 20-Nov-2017, 10:31 AM
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