Häufige Begleiterkrankungen bei Demenz – „Man spricht nicht darüber“

KÖLN (MedCon) – Noch immer ist die Krankheit Demenz mit zahlreichen gesellschaftlichen Tabus belastet. Insbesondere Themen wie Inkontinenz, Mangelernährung oder chronische Schmerzen bei älteren, dementen Menschen werden nur ungern angesprochen.

Tritt eines dieser Probleme bei einem pflegebedürftigen Familienmitglied auf, fühlen sich die pflegenden Angehörigen häufig schuldig an der Situation. Sie befürchten Vorwürfe, sie würden sich nicht gut um den Patienten kümmern. Doch kaum ein an Demenz erkrankter Mensch bleibt von diesen typischen, auch altersbedingten Erkrankungen verschont – selbst bei bester Pflege.

Offen über Probleme sprechen

Aus diesem Grund empfiehlt es sich, möglichst offen mit diesen Themen umzugehen, auch wenn es im ersten Moment Überwindung kostet. Denn gegen das „Einnässen“, zu geringe Nahrungsaufnahme oder andauernde Schmerzen lässt sich etwas unternehmen, zum Wohl des Patienten und des Pflegenden.

„Essen und Trinken sowie Schmerzfreiheit und Kontinenz gehören zu den besten medizinischen Maßnahmen – auch bei Demenz. Sie beeinflussen nicht nur die Lebensqualität des Demenzkranken, sondern auch die der Angehörigen in hohem Maße“, erklärte Prof. Ingo Füsgen beim 22. Workshop des „Zukunftsforum Demenz“ in Erfurt. Auch wenn bei Demenzkranken „die Denkfähigkeit stark eingeschränkt ist, so sind doch Empfindungen und Missempfindungen bei ihnen ebenso stark ausgeprägt wie bei jedem anderen Menschen“.

Wenn die Toilette zu weit ist ...

Harninkontinenz – oder Einnässen – gehört mit zu den schwierigsten Situationen in der Pflege älterer Menschen mit Demenz. „Während eine gewisse Vergesslichkeit von den Angehörigen noch hingenommen wird, sind sie bei der Inkontinenz schnell durch die Geruchsbelästigung angewidert, mit zusätzlicher Arbeit belastet und erleben das Einnässen nicht selten als persönlichen Affront oder als Umkehr des Eltern-Kind-Verhältnisses“, erklärte Prof. Füsgen.

Zudem bestehe durch die ständige Nässe das Risiko für Hautprobleme und -infektionen. So zählt die Inkontinenz mit zu den häufigsten Gründen dafür, dass Demenz-Patienten letztlich nicht mehr zuhause gepflegt werden können und in ein Heim umziehen müssen.

Ärztlicher Rat ist nötig

Patienten mit einer Demenz leiden fast doppelt so häufig an einer Harninkontinenz wie Gleichaltrige ohne Demenz. Die durch die Erkrankung bedingten Schädigungen des Gehirns beeinträchtigen auch die Fähigkeit, die Funktion der Blase zu kontrollieren.

Dazu kommen ganz praktische Probleme: Die Patienten finden die Toilette nicht mehr, können ihre Kleidung nicht selbst öffnen, sind aber auch nicht mehr in der Lage, sich ausreichend verständlich zu machen und um Unterstützung zu bitten.

Leidet ein Demenz-Patient an Inkontinenz, sollte deshalb möglichst bald fachlicher Rat gesucht werden. Der behandelnde Arzt hat verschiedene Möglichkeiten, etwas gegen das Einnässen zu unternehmen. So können spezielle Medikamente, dem Patienten wieder mehr Kontrolle über seine Blasenfunktion geben.

Antidementiva helfen zum Erhalt der Alltagskompetenz

Doch auch die regelmäßige Einnahme eines Antidementivums ist wichtig. Diese Medikamente, wie z.B. Memantine, können die Alltagskompetenz des Patienten verbessern oder länger erhalten und verhaltenstherapeutische Maßnahmen wie z.B. Toilettentraining unterstützen. Für den Patienten kann dies bedeuten, dass er den Harndrang rechtzeitig bemerken und die Toilette besser und rechtzeitig finden kann.

Begleitmedikamente überprüfen lassen

Eventuell empfiehlt Ihr Arzt auch die Umstellung der Begleitmedikation. Denn Medikamente gegen Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf- und Stoffwechselstörungen können eine Inkontinenz bewirken. Insgesamt 24 Prozent der Inkontinenzerkrankungen aller alten Menschen seien auf die Einnahme von Medikamenten zurückzuführen, hieß es im Rahmen des Workshops. Eine Umstellung auf ein anderes Mittel kann hier Wunder bewirken.

Toilettentraining bringt Sicherheit

Neben der medikamentösen Therapie der Demenz und der Inkontinenz sowie der Überprüfung und eventuell Umstellung weiterer eingenommener Medikamente ist auch eine Verhaltenstherapie ein wichtiger Bestandteil der Therapie.

Sie umfasst unter anderem ein Toilettentraining. Die Patienten lernen, die Toilette regelmäßig und zu bestimmten, festgelegten Zeiten aufzusuchen - etwa immer nach den Mahlzeiten. Als Hilfe für den Patienten kann hier das Geräusch fließenden Wassers dienen, das Einnehmen eines Schlucks Wasser oder auch eine sanfte Unterleibsmassage.

Wird der Demenzkranke auch bei Nutzung aller Therapiemöglichkeiten nicht wieder völlig kontinent, ist eine ausreichende Versorgung mit Hilfsmitteln notwendig. Sie helfen, die hygienischen, aber auch psychologischen und sozialen Probleme des "Einnässens" zu mildern. Kontinenzhilfsmittel wie Vorlagen oder Windeln sind in Apotheken und Sanitätshäusern erhältlich.

Quelle: MedCon

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letzte Änderung 29. August 2016, 14:53 Uhr

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Stand: 22-Nov-2017, 01:57 PM
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