Alzheimer-Therapie heute und in Zukunft

KÖLN (MedCon) - Die Lebenserwartung in Deutschland steigt kontinuierlich an. Viele Wissenschaftler sehen darin die Hauptursache für die explosionsartig zunehmende Anzahl von Alzheimer-Erkrankungen. Während Menschen im Alter von 60 Jahren heute im Durchschnitt noch 21 Jahre vor sich haben, lag diese Zahl Anfang des letzten Jahrhunderts bei 13,5 Jahren.

Eine Zeitbombe muss entschärft werden

Für die nächsten 50 Jahre rechnet das Statistische Bundesamt mit einem weiteren Anstieg der Lebensdauer: Männer könnten in Zukunft durchschnittlich 83 Jahre alt werden, Frauen sogar 87. Die Zahl der Alzheimer-Patienten soll sich neuesten Schätzungen zufolge bis 2050 mehr als vervierfachen.

Um diese Zeitbombe in der Bevölkerungsentwicklung entschärfen zu können, läuft die Alzheimer-Forschung weltweit auf Hochtouren. Ein Heilmittel für die Alzheimer-Demenz, an der derzeit in der Bundesrepublik schätzungsweise 1,2 Millionen Menschen leiden, ist derzeit noch nicht in Sicht. Doch eine Behandlung der Demenzerkrankung ist bereits möglich.

Was kann getan werden?

Welche Optionen Alzheimer-Patienten zur Verfügung stehen, war auch ein wichtiges Thema auf dem 11. Kongress der European Federation of Neurological Sciences, der Ende August in Brüssel stattfand. Forscher aus unterschiedlichen europäischen Länder stellten dort ihre Studienergebnisse zu den derzeit erfolgversprechendsten Wirkstoffen in der Alzheimer-Therapie vor.

Zur Zeit existieren zwei Wirkstoffgruppen: der N-Methyl-D-Aspartat-Antagonist Memantine und die Cholinesterasehemmer.

Mehr Selbstständigkeit bewahren

Diese Wirkstoffe sind in der Lage, den Verlauf der Krankheit zu bremsen und für eine gewisse Zeit zu stabilisieren. Sie können alltägliche Fähigkeiten - wie sich eigenständig anziehen, waschen oder selbst essen - wieder verbessern oder länger erhalten. Außerdem können die Medikamente positiv auf die geistige Leistungsfähigkeit der Alzheimer-Patienten wirken, so dass diese vertraute Personen besser wiedererkennen oder an Gesprächen teilnehmen können.

Durch Memantine können auch die besonders belastenden mit der Alzheimer-Demenz einhergehenden Verhaltensstörungen wie Aggression oder Wahnvorstellungen abgemildert werden. Durch die Schutzwirkung an den Nervenzellen könnten diese außerdem vor dem Absterben bewahrt werden.

Impfen gegen Alzheimer?

Neben der medikamentösen Behandlung der Alzheimer-Demenz setzen die Forscher auch große Hoffnung in die Entwicklung einer Impfung gegen Alzheimer. Anfang des Jahres stattete die Europäische Union ein internationales Team von Wissenschaftlern mit 2,4 Millionen Euro aus, damit diese innerhalb der nächsten drei Jahre einen Impfstoff gegen Alzheimer entwickeln. Aus der Industrie kommen weitere zwei Millionen Euro für das groß angelegte Projekt namens "Mimovax".

Bereits im Jahr 2002 hatte ein ebenfalls international besetztes Forscherteam einen Impfstoff getestet, der gegen die schädlichen Beta-Amyloid-Plaques (Eiweißablagerungen) im Gehirn von Alzheimer-Patienten gerichtet war. Doch diese Studie mussten die Wissenschaftler abbrechen, da ein Teil der mit dem damals verwendeten Impfstoff behandelten Patienten an Hirnhautentzündung erkrankte.

Eine Katastrophe für die verantwortlichen Wissenschaftler, doch sie gaben nicht auf. Glücklicherweise, wie man heute weiß. Trotz des Studienabbruchs beobachteten sie die behandelten Studienteilnehmer noch ein Jahr lang weiter. Und tatsächlich entwickelte etwa ein Fünftel der Patienten erfolgreich Antikörper gegen das Beta-Amyloid-Eiweiß.

Alzheimer erfolgreich ausgebremst

Bei ihren Tests stellten die Forscher außerdem fest, dass sich die geistigen Fähigkeiten dieser Patientengruppe in den vorhergehenden zwölf Monaten nicht verschlechtert hatten. Außerdem entdeckten sie Hinweise darauf, dass das giftige Amyloid-Eiweiß im Gehirn abgebaut wurde. Eine weitere Überraschung wartete drei Jahre später auf die Wissenschaftler. Bei Nachuntersuchungen zeigte sich, dass sich der Krankheitszustand der erfolgreich geimpften Patienten über die Jahre hinweg nicht verschlechtert hatte.

In dem neuen Studienprojekt "Mimovax" wollen die Wissenschaftler jetzt einen Impfstoff finden, der keine gefährlichen Entzündungen im Gehirn verursacht und trotzdem zur Bildung von Antikörpern führt, die die Amyloid-Eiweißablagerungen im Gehirn bekämpfen.

Quelle: MedCon, Oktober 2007

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Stand: 18-Nov-2017, 01:01 PM
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