Prüfungsangst in Altenheimen

Frankfurt am Main, 20.05.2009

Krankenkassen kontrollieren Heime künftig schärfer und stellen die Ergebnisse ins Internet. Kritiker bemängeln, dass die Tests zu oberflächlich sind, um die Qualität der Heime zu verbessern

Hausgemachter Schweinebraten mit Rotkraut und Knödeln - freitagmittags sorgt das traditionelle Menü im Pflegeheim Walterhof in der Nähe von München immer für leer gegessene Teller. Hier liefert kein Cateringservice abgepacktes Essen unter Plastikfolie. Ein Koch mit Spezialausbildung für Seniorenernährung bereitet die Menüs frisch zu. "Wir haben fast nur Alzheimer- und Demenzpatienten - aber deshalb gibt es hier bestimmt kein Fertigessen", sagt Geschäftsführer Dirk Bachmann. Nicht nur der Koch war auf Fortbildung, auch die Pflegekräfte werden dieses Jahr geschult - einen Kurs zur Vorbereitung auf die neuen Qualitätskontrollen in Pflegeheimen. Offiziell sieht Pflegemanager Bachmann der Überprüfung gelassen entgegen. Dennoch will er sein Haus bestmöglich vorbereiten.

Damit steht er nicht alleine da: Bundesweit suchen Pflegeheimbetreiber nach einem Mittel gegen ihre Prüfungsangst. Der Grund: Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) kontrolliert erstmals in Deutschland jedes einzelne der rund 10.000 Pflegeheime unangekündigt - und bewertet sie mit Schulnoten von "sehr gut" bis "mangelhaft".

Die Veröffentlichung

Die Ergebnisse müssen vollständig im Internet veröffentlicht werden. Spätestens Ende Mai sollen die Kontrollen starten, im Herbst werden dann voraussichtlich die ersten Zeugnisse im Netz stehen. Bislang konnten sich die MDK-Landesverbände nicht auf ein gemeinsames Layout zur Präsentation der Noten einigen.

In der Vergangenheit hatten Prüfungen immer wieder Mängel in Heimen offenbart. So berichtete etwa der MDK Rheinland-Pfalz vor wenigen Wochen von Defiziten bei der Vermeidung von Druckgeschwüren in jedem zweiten von rund 300 kontrollierten Häusern.

"Es gibt richtig schlechte Heime in Deutschland, meist auf dem Land und in Kleinstädten. Dort wurde immer gespart und wenig investiert", sagt Wolfram-Arnim Candidus von der Deutschen Gesellschaft für Patienten und Versicherte. Kein Wunder, dass die geplante Transparenz viele Heimleiter verunsichert. Sie schicken daher ihr Personal in Scharen zu Schulungen - zur Freude von Anbietern solcher Kurse, die sich lukrative Geschäfte versprechen.

Die Bewertungskriterien

Bisher konnten Angehörige die Qualität einzelner Pflegeheime nur schwer beurteilen, denn der MDK veröffentlichte die Ergebnisse seiner Prüfungen nur in anonymisierter und verkürzter Form. Kritiker zweifelten immer wieder an der Stichhaltigkeit der Berichte, da der MDK die Kontrollen bislang vorher ankündigen musste und manche Heime über mehrere Jahre nicht überprüft wurden.

Wenn im Mai die ersten Kontrolleure die Heime besuchen, werden sie mehr als 80 Kriterien bewerten - fast die Hälfte davon betreffen die Qualität der Pflege und der medizinischen Versorgung. Daneben begutachten die Tester Verpflegung und Hygiene. Und befragen Bewohner nach ihrer persönlichen Einschätzung zur Qualität des Hauses und seines Personals.

Quelle: www.ftd.de, 17.05.2009 - Author: Katharina Grimm

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