Ex-Familienministerin Renate Schmidt kämpft für Demenz-Patienten

Frankfurt am Main, 17.11.2006

Sie war viele Jahre Bundesfamilienministerin in der rot–grünen Regierungskoalition, jetzt ist sie SPD–Bundestagsabgeordnete und zugleich Schirmherrin der Deutschen Alzheimer–Gesellschaft: Wenn Renate Schmidt heute eine bessere Versorgung von Demenz– und Alzheimer–Patienten anmahnt, dann weiß sie sehr genau, daß es ein Glaubwürdigkeitsproblem geben könnte: Warum hat sie selbst als Familienministerin nicht mehr dazu beigetragen, Versorgung zu verbessern?

Die forsche Sozialdemokratin ficht das nicht an: Nicht alles werde sofort und in vollem Umfang durchsetz– und finanzierbar sein, sagt sie, aber es lohne sich, für die steigende Zahl an Menschen mit Demenz Visionen zu entwickeln, „damit sich die nächsten konkreten Schritte daran orientieren können.“

Beim Zukunftsforum Demenz, zu dem jetzt das Unternehmen Merz nach Berlin eingeladen hatte, hat Renate Schmidt mit Blick auf Demenz–Patienten klargestellt, auf was es aus Sicht der Alzheimer–Gesellschaft in Zukunft ankommen muß. Ihr Forderungskatalog in Auszügen:

Für die frühere Ministerin ist es wichtig, daß Patienten auch medikamentös gut versorgt werden. „Ich hoffe, daß über den Nutzen von Medikamenten gegen Demenz unter dem Aspekt geurteilt wird, daß solche Mittel auch die Lebensqualität der betroffenen Kranken und ihrer Angehörigen erhöhen“:, sagte Schmidt beim Forum in Berlin. Sie sage dies „aus gegebenem und aktuellem Anlaß“: Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) beschäftigt sich derzeit mit dem Nutzen von Antidementiva (wir berichteten). In einem Vorbericht hatte das IQWiG Cholinesterase–Hemmern zugestanden, daß sie bei Alzheimer–Patienten den Abbau der kognitiven Fähigkeiten leicht verzögern können.

Schmidt rückt nicht ohne Grund die Lebensqualität in den Fokus. Mit den strengen IQWiG–Kriterien ließen sich zwar gut Effekte bei der Kognition oder den Aktivitäten des täglichen Leben erfassen, sie seien aber kaum tauglich, um damit die Lebensqualität oder eine Verzögerung der Heimeinweisung zu bewerten, hatte zum Beispiel der Mannheimer Gerontopsychiater Lutz Frölich kritisiert.

Renate Schmidt will weiterkämpfen. Sie begrüßt, daß das Bundesgesundheitsministerium einen Beirat gegründet hat, der den Begriff der Pflegebedürftigkeit neu definieren soll — eine Arbeit, die sich positiv auf die Versorgung von Demenz–Patienten auswirken könnte. Der Grund: Die aktuell gebrauchte Definition berücksichtigt die Betreuung, Beaufsichtigung, Kommunikation und soziale Teilhabe von Pflegebedürftigen nur ungenügend.

Die Versorgungssituation dürfe weder dramatisiert noch beschönigt werden, sagt die Ex–Ministerin: „Es lohnt sich, für Demenz–Patienten Visionen zu entwickeln.“

Quelle: Christoph Fuhr, Ärzte Zeitung, 17.11.2006

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