Kampf gegen Alzheimer muss Chefsache werden!

Frankfurt am Main, 02.12.2005

BERLIN (MedCon) – Deutschlands Alzheimerforscher haben zusammen mit den Alterspsychiatern und der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. die neue Bundesregierung aufgefordert, den Kampf gegen die Alzheimer-Krankheit zur Chefsache zu machen.

Die Fakten sind längst bekannt: Deutschlands Bevölkerung verändert sich, die Menschen werden immer älter. Das Alter ist der Hauptrisikofaktor für die Alzheimer-Krankheit. Bereits heute leiden etwa 1,1 Millionen Menschen an Demenzen, davon etwa 700.000 an der Alzheimer-Krankheit. In 40 Jahren wird sich die Anzahl der Kranken verdoppelt, wenn nicht gar verdreifacht haben. Die Krankheit bedroht dabei nicht nur jeden einzelnen, sondern auch unsere sozialen Sicherungssysteme.

„Wir müssen mehr über die Krankheit wissen, um sie bekämpfen zu können, deshalb muss die Forschung jetzt intensiviert werden“, betonte Prof. Hans-Jürgen Möller von der Hirnliga e.V.. „Bei frühzeitiger Diagnose und rechtzeitigem Therapiebeginn ist es heute möglich, den Verlauf der Alzheimer-Krankheit positiv zu beeinflussen“, so der Vorsitzende der deutschen Alterspsychiater Prof. Hans Gutzmann. Dabei werden Medikamente, nichtmedikamentöse Therapien und pflegerische Maßnahmen eingesetzt. Die Therapien bewirken eine Verlangsamung der Krankheitsentwicklung und ermöglichen den Betroffenen und ihren Angehörigen über einen längeren Zeitraum in Selbstbestimmung und Würde zu leben.

„Wir hören immer wieder von der angeblichen Überversorgung im Gesundheitswesen. Bei psychisch kranken Älteren, insbesondere den Alzheimer-Kranken, herrscht seit Jahren eine klare Unter- und Fehlversorgung“, so Prof. Gutzmann. „Trotz des sehr komplexen Krankheitsbildes kommt aber nur etwa jeder zehnte Alzheimer-Kranke im Laufe seiner Krankheit mit einem Facharzt in Kontakt.“ Besonders unzureichend ist nach Ansicht der Alterspsychiater die medikamentöse Behandlung. „Wir fordern seit Jahren dazu auf, die Alzheimer-Krankheit wie jede andere schwere chronische Krankheit anzusehen. Die Kranken müssen die zugelassenen und in ihrer Wirksamkeit nachgewiesenen Medikamente zu Lasten der Krankenversicherung bekommen können. Wir kennen seit Jahren eine meist versteckte Rationierungsdiskussion über die Wirksamkeit der Alzheimer-Medikamente (Antidementiva), obwohl sie international wissenschaftlich anerkannt sind.“

„Alt und chronisch psychisch krank, ist das Schlimmste, was einem in unserer Gesellschaft widerfahren kann. Die Strukturen unseres Gesundheitssystems führen dazu, dass den Alzheimer-Kranken im Kampf um die finanziellen Ressourcen und die unterschiedlichen Zuständigkeiten die notwendige Diagnostik, Therapie und Pflege häufig vorenthalten wird. Die Kranken und ihre Angehörigen müssen deshalb zusätzliches Leid ertragen. Hier ist die neue Bundeskanzlerin gefordert, die dringend notwendigen Reformen einzuleiten. Das muss Chefsache werden!“

Quelle: Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V., November 2005

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