Demenz: Mehr als nur Morbus Alzheimer

Frankfurt am Main, 20.11.2005

BREMEN (MedCon) - In Deutschland leben etwa eine Million Demenzkranke. Mit zehn bis 15 Prozent aller Demenzen ist dabei die Frontotemporale Demenz (FTD) die dritthäufigste Demenzursache und doch ist sie noch kaum bekannt. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft lud daher erstmals gemeinsam mit der Alzheimer Gesellschaft Bremen und dem Klinikum Bremen-Ost zu einer Tagung unter dem Titel "Im Fokus: Frontotemporale Demenz" ein.

Im Gegensatz zur Alzheimer Krankheit ist zu Beginn der Erkrankung das Gedächtnis noch weitgehend gut erhalten. Die FTD tritt in der Regel vor dem 65. Lebensjahr auf und äußert sich in Symptomen wie enthemmtem Verhalten, Antriebsstörungen und zunehmendem Verlust von planerischem und vorausschauendem Handeln. Die alltägliche Realität in den Familien und in den Heimen ist äußerst belastend.

Bei der FTD sterben Nervenzellen in den Stirnlappen (Frontallappen) und in den Schläfenlappen (Temporallappen) des Gehirns ab. Erste Anzeichen der Erkrankung sind Veränderungen der Persönlichkeit und des zwischenmenschlichen Verhaltens, wie Taktlosigkeit oder Vernachlässigung von Pflichten. Die Krankheitsverläufe sind sehr unterschiedlich. "Die Symptome werden häufig nicht als der Beginn einer Demenz erkannt, sondern als Depression oder Psychose fehlgedeutet", erklärte Dr. Eike Spruth von der Charité Berlin.

"Leider stehen uns für die Frontotemporale Demenz kaum Therapieoptionen zur Verfügung", bedauerte Dr. Gerthild Stiens, Leiterin der Gedächtnisambulanz der Psychiatrischen Uniklinik Göttingen. Die Krankheit ist eine große Herausforderung für die Angehörigen, aber auch für Pflegekräfte. "Wir dürfen die Angehörigen nicht alleine lassen", plädierte Dr. Jan Wojnar, "Heime müssen sich auf diese Aufgabe vorbereiten". "Der beträchtliche Leidensdruck von Angehörigen und das große Interesse der Berufsgruppen zeigt, dass dringend Handlungsbedarf besteht und mehr Wissen in die Praxis getragen werden muss", stellte Helga Schneider-Schelte, Mitarbeiterin der Deutschen Alzheimer Gesellschaft und Moderatorin der Tagung, abschließend fest.

Wegen der großen Nachfrage wird es eine zweite Tagung am 16. März 2006 in München geben. Weitere Informationen: www.deutsche-alzheimer.de, e-mail: helga.schneider-schelte@deutsche-alzheimer.de

Quelle: Deutsche Alzheimer-Gesellschaft, 4.11.05

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