Molekül bietet Schutz vor der Alzheimer Krankheit

Frankfurt am Main, 21.09.2005

BERLIN (MedCon) - Warum erkrankt ein Mensch im Alter an Alzheimer, ein anderer aber nicht? Forscher des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch um Dr. Olav M. Andersen und Prof. Thomas Willnow haben darauf jetzt eine mögliche Antwort gefunden.

In Zusammenarbeit mit Kollegen in Dänemark und den USA haben sie entdeckt, dass ein von Nervenzellen gebildetes Molekül, das so genannte sorLA (= sorting protein-related receptor) genannt, die Entstehung der Eiweißablagerungen (Plaques) im Gehirn beeinflusst, die charakteristisch für die Alzheimer-Krankheit sind.

Plaques im Gehirn von Alzheimer Patienten bestehen aus Eiweißbruchstücken, Amyloid-beta-Peptide genannt, die aus dem Amyloid-Vorläufer-Protein (engl. Abk. APP) entstanden sind und sich über die Jahre im Gehirn ablagern. Diese Plaques zerstören die Nervenzellen Betroffener, was zum unheilbaren geistigen Verfall führt. Schätzungen zufolge leidet die Hälfte aller über 85-Jährigen an dieser Erkrankung. Weshalb APP in Bruchstücke wie das Amyloid-beta-Peptid gehackt wird, ist noch unbekannt.

Willnow und seine Kollegen konnten nun zeigen, wie sorLA, das als Transportprotein in Nervenzellen arbeitet, normalerweise an APP andockt und so dessen Abbau in das Amyloid-beta Peptid verhindert. Genetisch veränderte Mäuse, die kein sorLA mehr bilden können, zeigen entsprechend vermehrte Amyloid-beta-Peptid-Bildung. Bei ihnen wird verstärkt APP zerstückelt.

Daraufhin untersuchten die Forscher Gehirne verstorbener Alzheimer-Patienten und von nicht an Alzheimer Erkrankten. Sie stellten fest, dass die Nervenzellen der Alzheimer-Kranken kein sorLA gebildet hatten, die der Nicht-Betroffenen aber sehr wohl.

Das deutet darauf hin, dass das Gehirn mancher Menschen kein oder sehr wenig sorLA produziert und dass die ungebremste Produktion von Amyloid-beta Peptid in diesen Patienten ein Risikofaktor zur Entstehung von Alzheimer sein könnte. Als nächstes wollen die Forscher deshalb nach Substanzen suchen, die die Produktion von sorLA in solchen Menschen fördert, die kein oder sehr wenig sorLa bilden, und hoffen, dass es künftig möglich sein wird, die Entstehung der gefährlichen Ablagerungen im Gehirn zu vermindern.

Quelle: MDC September 2005

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