Barmer engagiert sich gegen Demenzkrankheit

Konzepte zur Integrationsversorgung und zur Fortbildung sollen frühe Diagnostik und Therapie verbessern

Frankfurt am Main, 02.06.2005

BERLIN (HL). Gegen eine Zusammenführung von Kranken- und Pflegeversicherung, so wie sie der Sachverständigenrat in seinem am Montag vorgelegten Gutachten empfohlen hat, hat sich gestern Barmer-Vorstand Klaus H. Richter ausgesprochen.

Nach seiner Meinung können die Schnittstellenprobleme zwischen Kranken- und Pflegekassen – dabei gehe es vor allem um die Lasten der Behandlungspflege, die Krankenkassen tragen müssen, und um die Finanzierung von Hilfsmitteln – im bestehenden getrennten System gelöst werden. Ferner müsse erst einmal bewiesen werden, ob der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich unter den Krankenkassen funktioniere und ob dieses Modell dann auf einen Finanzausgleich unter den Pflegekassen übertragbar sei.

Als eine der großen Zukunftsherausforderungen der Pflegekassen sieht der Barmer-Vorstand die wachsende Zahl der Demenzkranken. Im Rahmen des Zukunftsforums Demenz engagiert sich die Barmer Ersatzkasse mit der Entwicklung von Modellen zur integrierten Versorgung, die die Optimierung der Arzneimitteltherapie, die psychosoziale Betreuung und die Beratung der Angehörigen von Demenzkranken als eine Einheit sieht.

In Darmstadt hat die Barmer vor kurzem einen ersten Integrationsvertrag mit Hausärzten und Pflegediensten abgeschlossen. In Hamburg wird derzeit ein spezielles Fortbildungangebot für Hausärzte evaluiert.

Ihnen kommt vor allem bei der Diagnostik eine entscheidende Rolle zu: Je früher Demenz entdeckt wird, umso größer die Chance, durch körperliches und kognitives Training sowie eine Therapie mit Antidementiva den Krankheitsverlauf zu bremsen und Pflegebedürftigkeit hinauszuschieben.

Nach Angaben von Professor Ingo Füsgen, Gerontologe der Uni Witten/Herdecke, werden nur acht Prozent der Demenzkranken adäquat medikamentös versorgt. Ökonomische Gründe hält er für vorgeschoben. Auch unter Ärzten sei Demenz immer noch ein gewisses Tabu-Thema.

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