Alzheimer: Bereits im Frühstadium mangelnde Verkehrstüchtigkeit

Frankfurt am Main, 14.09.2004

IOWA CITY. Der Morbus Alzheimer führt im Frühstadium zu keinerlei körperlicher Behinderung, die das "motorische" Führen eines PKW infrage stellen würde. Doch die "geistige" Aufmerksamkeit und Orientierungsfähigkeit der Patienten können nach einer Studie in Neurology (2004; 63: 832-83) bereits soweit herabgesetzt sein, dass es zu schweren Fahrfehlern kommen kann.

Die 32 Patienten, die Matthew Rizzo und Mitarbeiter von der Universität in Iowa City zu einer Fahrprüfung baten, waren neurologisch weitgehend unauffällig. Sie litten lediglich unter einer milden kognitiven Störung und nach den Kriterien des US-National Institute of Neurological and Communicative Disorders bestand erst eine wahrscheinliche ("probable") Alzheimer-Demenz. Alle Probanden besaßen einen Führerschein und nahmen regelmäßig am Straßenverkehr teil. In einem 45-minütigen Fahrtest offenbarten aber viele Patienten Schwierigkeiten bei der sicheren Orientierung im Straßenverkehr.

Die Tests fanden in einem speziellen PKW statt. Er war mit einem Gerät ausgestattet, das die Route der Patienten aufzeichnete. Wenn die frühen Alzheimer-Patienten eine ihnen bekannte Strecke fuhren, machten sie nicht mehr Fehler als eine Gruppe von 136 älteren neurologisch gesunden Erwachsenen. Erst wenn sie gebeten wurden, eine ihnen nicht bekannte Strecke zu fahren, kam es zu Fehlern. Jetzt bogen 70 Prozent der Teilnehmer wenigstens einmal falsch ab, während dies der Kontrollgruppe nur zu 20 Prozent passierte. Dies stellt noch nicht unbedingt ein Verkehrsrisiko dar.

Die frühen Alzheimer-Patienten begingen jedoch zu 70 Prozent auch einen oder mehrere Sicherheitsfehler. Es komme zu einem "ziellosen Starren", oder die Patienten würden häufiger über die Schulter schauen, um sich zu vergewissern, wo sie gerade sind. Dabei gerieten sie dann häufiger als die Vergleichspersonen von ihrer Fahrspur ab, was ein potenzielles Unfallrisiko darstellt.

Rizzo betonte, dass die Patienten in diesem frühen Stadium der Erkrankung zumeist noch eine vollständige "motorische" Kontrolle über ihr Fahrzeug haben. Das Unfallrisiko bestehe in einer kognitiven Überforderung. Auch hier gebe es große Unterschiede zwischen den einzelnen Patienten. Ein generelles Fahrverbot für alle Patienten mit einer Alzheimer-Frühdiagnose würde Rizzo deshalb nicht befürworten. Da die meisten Fehler auf fremden Strecken auftreten, wäre eine Lizenz ideal, welche das Fahren auf den Heimatort oder bekannte Wege beschränkt.

Der Editorialist David Drachman von der Universität Worcester empfahl eine private Fahrprobe. Die Angehörigen sollten in regelmäßigen Abständen, wenigstens einmal monatlich, auf dem Beifahrersitz Platz nehmen, während der Patient das Auto steuert. Solange sich die Angehörigen sicher fühlen, könne der Patient ohne weitere Auflagen Auto fahren.

In Deutschland ist die Fahrerlaubnis in den Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahrereignung festgelegt. Sie sieht kein spezielles Fahrverbot für Patienten mit Morbus Alzheimer vor, legt jedoch fest, dass Patienten, die an akuten Verwirrtheits- oder Dämmerzuständen leiden, grundsätzlich nicht ein Fahrzeug führen dürfen.

Abstract der Studie aus Neurology

aus: Dt. Ärzteblatt 14. September 2004

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