Kaum jeder zehnte Patient mit Demenz lege artis behandelt

Evidenzbasierte Antidementiva bessern Alltagskompetenz

Frankfurt am Main, 25.03.2004

Die medikamentöse Unterversorgung der Demenzkranken in Baden-Württemberg ist erheblich. Nicht einmal jeder zehnte Demenzkranke - und die Demenz vom Alzheimer-Typ ist mit etwa 70 Prozent die häufigste Form - wird mit einem evidenzbasierten Antidementivum versorgt.

Von den knapp neuen Millionen gesetzlich Krankenversicherten in Baden-Württemberg sind 18,4 Prozent älter als 65 Jahre, sagte Magda Geldmacher aus Lahr, die das Arzneimittel-Controlling des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) in Baden-Württemberg leitet. Zwischen 1,4 und 1,9 Prozent beträgt nach unterschiedlichen Schätzungen die durchschnittliche jährliche Inzidenzrate für Demenzerkrankungen in diesem Bundesland. Überwiegend sind Menschen über 80 Jahre betroffen: die mittlere Prävalenzrate liegt zwischen 80 und 84 Jahren bei 13,3 Prozent, zwischen 85 und 90 Jahren bereits bei 23,9 Prozent, bei noch Älteren sogar bei 36,6 Prozent. Die tatsächliche Zahl Dementer wird auf über 113.000 geschätzt.

Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 2003 Antidementiva für über 14,5 Millionen Euro verordnet, was etwas einem Prozent des Gesamtumsatzes an Arzneimitteln entspricht. Davon entfällt zwar gut die Häflte auf Acetylcholinesterasehemmer und Memantine. Tatsächlich versorgt werden mit diesen eidenzbasierten Pharmaka jedoch nur etwa 8 Prozent der potentiell Betroffenen.

Dies ist um so bedauerlicher, als gerade für die beiden Wirkstoffgruppen Acetylcholinesterasehemmer und den NMDA-Antagonisten Memantine der Nutzen für die Kognition sowie für die Alltagskompetenz der Alzheimer-Patienten in internationalen Studien nachgewiesen worden ist.

Die Zahlen von Frau Geldmacher bestätigen auch die im vierten Altenbericht der Bundesregierung getroffene Aussage, daß bei der medizinischen Versorgung der Demenzkranken erhebliche Mängel bestehen. Früheren Erhebungen zufolge liegt die Versorgungsrate mit Antidementiva zwischen 9 und 16 Prozent.

Ärztezeitung, 23.3.2004

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