Demenz nach Herz-OP

Meine Ehefrau (62) leidet an Demenz. Nach dem Eingriff an ihrem Herzen 2002 war etwas anders an ihr. Sie ist dem Tod von der Schippe gesprungen. Ich war heilfroh und erleichtert, dass sie den Eingriff an den Herzkranzgefäßen gut überstanden hatte. Der Schreck darüber saß noch lange Zeit tief in ihr. Mir fiel ihr verändertes Verhalten auf, führte es aber auf die psychischen Folgen des Eingriffs zurück. Vergesslichkeiten, Missgeschicke oder ihre Unbeholfenheit empfand ich daher als nicht weiter schlimm. Ich half ihr wo es nötig war. Zunächst nannten es Ärzte zaghaft „dementes Verhalten“. Ahnungslos bekam ich auf meine Fragen mehr oder weniger „softige Antworten“. Die Diagnose „Demenz“ steht fest seit April 2004 und seither bin ich Betreuer meiner Frau.

Es ergab sich, dass das örtliche Diakoniewerk eine Seminarreihe für pflegende Angehörige startete. Es war sehr erschreckend, was ich da alles über den Verlauf der Krankheit erfuhr. Doch ich war nicht allein. Etwa weitere 20 Personen hörten den Ausführungen der Seminarleiterinnen aufmerksam zu.
Die Fähigkeiten meiner Frau, den Alltag selbstständig zu bewältigen oder sich zu versorgen sind nahezu am Nullpunkt angekommen. Manchmal weint sie auch deshalb und ich tröste sie, denn sie ist ein ganz lieber Mensch geblieben. Jegliche Eigeninitiative ist verloren. Einmal pro Woche kommt ihre Ergotherapeutin ins Haus. Donnerstags besucht sie die Tagesstätte hier am Ort. Dort wird sie betreut, beschäftigt und versorgt. Ich nenne es meinen kleinen Urlaub.
Aus der anfangs erwähnten Seminarreihe hat sich eine Selbsthilfegruppe gebildet. Wir Angehörige von Demenzkranken nutzen die Gelegenheit, uns auszutauschen oder einfach uns gegenseitig zu helfen, indem wir uns zuhören. Das Aussprechen tut mir gut und ich lade meine strapazierte „Batterie“. Meine Belastungen, Beruf, Betreuung, Pflege, Hauswirtschaft und Hund zehrten mehr an mir als ich dachte. Ich hatte mich überschätzt. Bin daher im vorzeitigen Ruhestand, Wenn man das so nennen will. Das Umsorgen meiner Frau fällt mir leichter, ich kann mich besser um sie kümmern. Trotz Selbsthilfegruppe, Beratung oder Therapie, bleibt meine Angst vor der Zukunft. Meine Frau wird immer weniger davon mitbekommen.

Autor: W.F.

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Stand: 19-Nov-2017, 03:02 PM
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