Pflegereform 2011: Mehr Hilfe für Demenzkranke – alzheimerinfo.de

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KÖLN (Biermann) – Nach der im Januar in Kraft getretenen Gesundheitsreform will Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler in diesem Jahr auch noch die Pflegeversicherung reformieren. Insbesondere pflegebedürftige Demenzkranke und deren Angehörige sollen von der Pflegereform profitieren.

Im Mittelpunkt der Reform soll eine neue Definition des Pflegebedürftigkeitsbegriffs stehen. Demenzkranke sollen verstärkt als bedürftig anerkannt werden, auch wenn sie körperlich nicht beeinträchtigt sind.

Pflegebedürftigkeit neu definiert

Bei der Begutachtung der Pflegebedürftigkeit, die letztlich auch bestimmt, wie viel Geld den Betroffenen jeden Monat zusteht, wird bislang wenig beachtet, dass der Hilfebedarf demenziell erkrankter Pflegebedürftiger sich von nicht-dementen Pflegebedürftigen unterscheidet. Demenzkranke benötigen mehr Anleitung, Beaufsichtigung und Unterstützung. Nicht erfasst werden beispielsweise auch der zusätzliche Betreuungsaufwand durch Weglauftendenzen, die Gefahr der Selbst- und Fremdgefährdung, Ängste, Wahnvorstellungen und Aggressionen – alles typische Krankheitsmerkmale einer Demenz.

Pflegende Angehörige empfinden diese Beurteilung häufig als ungerecht, da mit diesem allgemeinen Bedarf an Beaufsichtigung und Betreuung eine besonders hohe Belastung der Pflegenden verbunden ist.

Gerechtere Beurteilung des Pflegebedarfs

Mit der Pflegereform soll auch eine neue Methode zur Begutachtung der Pflegebedürftigkeit eingeführt werden. Berücksichtigt werden sollen dabei acht Aspekte:

  • Mobilität: Kann der Erkrankte kurze Strecken gehen? Kann er sich im Bett selbst umdrehen oder von einem Stuhl aufstehen?
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Wie schaut es mit dem Gedächtnis, der Wahrnehmung, dem Denk- und Urteilsvermögen des Erkrankten aus? Kann er sich noch unterhalten bzw. seine Bedürfnisse äußern?
  • Verhalten: Zeigt der Erkrankte Verhaltensweisen, mit denen er sich oder andere in Gefahr bringt? Leidet er an psychischen Problemen wie Ängstlichkeit, Panikattacken oder Wahnvorstellungen?
  • Selbstversorgung: Kann der Erkrankte sich noch selbst pflegen, selbst essen und trinken und alleine zur Toilette gehen?
  • Umgang mit Krankheit: Kann der Erkrankte noch selbstständig Medikamente einnehmen, kleine Wunden versorgen oder ambulante Therapien aufsuchen?
  • Alltagsleben und soziale Kontakte: Kann sich der Erkrankte seine Zeit sinnvoll einteilen? Kann er einen Rhythmus von Schlafen und Wachsein einhalten? Pflegt er noch soziale Beziehungen?
  • Außerhäusliche Aktivitäten: Besucht der Erkrankte noch Veranstaltungen außer Haus, beispielsweise Theater- oder Konzertbesuche? Besucht er oder trifft er sich mit Freunden oder Bekannten?
  • Haushaltsführung: Ist der Erkrankte noch zu hauswirtschaftlichen Tätigkeiten in der Lage, zum Beispiel Putzen oder Kochen? Kann er seine Geldangelegenheiten noch selbst regeln oder Behördengänge erledigen?

Zur Ermittlung des Grades der Pflegebedürftigkeit werden die Ergebnisse aus den acht Modulen zusammengeführt und in einen Punktwert übertragen. Je nach Punktwert erfolgt dann eine Einteilung in fünf Bedarfsgrade.

Die Unterteilung in fünf Bedarfsgrade (B1 bis B5) ist so angelegt, dass auch solchen Pflegebedürftigen ein Bedarfsgrad zugeordnet werden kann, die relativ geringe Beeinträchtigungen aufweisen – und nach den heute geltenden Regelungen der Pflegeversicherung keine Leistungen erhalten. Damit soll vermieden werden, dass Menschen als „nicht pflegebedürftig“ bezeichnet werden, obwohl sie auf pflegerische Hilfe angewiesen sind.

Weitere Informationen:

www.bmg.bund.de/pflege/demenz.html
Informationen des Bundesgesundheitsministeriums zur Pflege von Demenzkranken

http://dgk.de/aiw/altern-in-wuerde.html
Tipps und Broschüren zur Pflege von Demenzkranken

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