alzheimerinfo.de – Informationen zu Alzheimer und Demenz – 100 Jahre Alzheimer-Forschung

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«Wie heißen Sie?» – «Auguste.» -«Familienname?» – «Auguste.» – «Wie heißt ihr Mann?» – «Ich glaube Auguste.» Das Gespräch zwischen dem Psychiater Alois Alzheimer und seiner Patientin Auguste D. schrieb Medizingeschichte.

“Auguste.” Ihr Name war die immer gleiche Antwort auf eine ganze Reihe von Fragen, die der 36jährige Arzt Alois Alzheimer an sie stellte. Auguste Deter wurde am 25. November 1901 in die Frankfurter Anstalt für Irre und Epileptische eingeliefert. Von ihrem Mann, der sich und ihr nicht mehr zu helfen wusste. Die damals 51jährige Frau litt an Verfolgungsängsten, Gedächtnisschwund und war dem Alltag nicht mehr gewachsen. Ihr Gemütszustand wechselte zwischen Aggression und Apathie, ihre zunehmende Orientierungslosigkeit beschrieb sie einmal erstaunlich klar und treffend: “Ich habe mich sozusagen selbst verloren.”

Diese bittere Erfahrung machen heute etwa 24 Millionen Menschen weltweit, sie sind an Alzheimer erkrankt und teilen das Leid der Auguste Deter, deren Demenz und Beschwerden einst gar nicht ins Bild der Psychiatrie passte. Jetzt, mit steigender Lebenserwartung, befürchten die Experten einen “Tsunami” für Gesundheitssystem und Volkswirtschaft.

Erst Augustes Tod ermöglichte es jedoch, eine Ursache zu finden, und begründete vor 100 Jahren die Alzheimer-Forschung: Am 8. April 1906 stirbt die Patientin an einer Blutvergiftung. Alois Alzheimer, der inzwischen an die Psychiatrische Anstalt nach München gewechselt war, seziert ihr Gehirn und findet im Gewebe etwas, was ihn an Masern oder Windpocken erinnert: braune Plaques in der Hirnrinde. Am 6. November 1906 berichtet er öffentlich über den eigenartigen Befund, so wird Auguste D. zum ersten dokumentierten Fall der Alzheimer-Krankheit. Die Eiweißablagerungen und der Verlust von Nervenzellen sind typisch für das, was heute als Ursache für “Alzheimer” bekannt ist. Auch 100 Jahre später, trotz immensen Wissens, ist diese Erkrankung nicht heilbar. Allerdings stehen wirkungsvolle Mittel zur Diagnostik wie auch für die Therapie zur Verfügung – nur kommen sie nicht immer zum Einsatz. Die Umsetzung bestehender Ansätze, die Erforschung neuer sowie die Versorgung der wachsenden Patientenzahl stellt jetzt die Gesellschaft vor eine große Herausforderung.

Quelle: Die Welt, 8. April 2006

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Quelle: alzheimerinfo.de. 100 Jahre Alzheimer-Forschung. Online im Internet; URL: http://www.alzheimerinfo.de/aktuelles/news/2006/2006-05-07b/

[Stand: 20.07.2006, 21:58]