Positive Erfahrungen bei Reisen mit Demenzkranken: Eine Reisegruppenleiterin berichtet – alzheimerinfo.de

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Seit über 20 Jahren bin ich als Reiseleiterin unterwegs, um interessierte Menschen auf das Schöne und Entdeckenswerte unserer Erde hinzuweisen und es ihnen zu erklären.

Neben meinen Studienreisegruppen betreue ich seit vielen Jahren auch Menschen mit körperlichen, psychischen oder intellektuellen Einschränkungen auf Reisen, die ich selbst organisiere und die ich selbstverständlich vom Programm und den Rahmenbedingungen her den persönlichen Bedürfnissen und Ansprüchen der Teilnehmer anpasse.

Meine vielen positiven Eindrücke und Erfahrungen, die ich während der letzten Jahre insbesondere mit dementiell veränderten Menschen auf Reisen sammeln durfte, kann ich hier nicht alle beschreiben, es würde den Rahmen sprengen

Eines aber erscheint mir so wichtig, dass ich es Ihnen, dem Kranken wie dem Angehörigen unbedingt mit auf den Weg geben möchte:

Verschließen Sie sich nicht – igeln Sie sich nicht ein und vereinsamen Sie nicht in Ihrer Krankheit – und mit Ihrer Krankheit.

  • Nehmen Sie an allem teil, was die Gesellschaft Ihnen bietet: besuchen Sie weiterhin Theateraufführungen, Kinovorstellungen, Konzerte, Museen, Ausstellungen oder gepflegte Restaurants.
  • Nehmen Sie an Aktivitäten in der Gemeinschaft mit anderen Menschen teil und sperren Sie sich nicht selbst aus. Die meisten Menschen in unserer Gesellschaft haben zumindest Grundkenntnisse über die Alzheimer-Demenz-Erkrankung und können von daher auch relativ unbefangen mit Erkrankten umgehen.
  • Ich selbst baue meinen “Reisegruppen” niemals Barrieren aus Schamgefühl, Hemmungen oder sogar Mitleid ins Reiseprogramm ein, denn das wäre dort völlig deplaziert. “Meine Reisegäste” bekommen ihr volles Kulturprogramm geboten, mit allem, was dazu gehört. Sie glauben nicht, wie gut es einem Erkrankten tut, in dieser scheinbaren Normalität angenommen und aufgehoben zu sein. Da kommen plötzlich Dinge wieder zum Vorschein, welche die traurigen Angehörigen längst für auf immer und ewig verloren glaubten. Die Kommunikationsfähigkeit scheint revitalisiert, Depressionen klingen ab, Gelenksteifigkeit und Trägheit lassen nach, zu Essen macht wieder Spaß, Neugierde auf das Leben wird wieder spürbar. Die Familie eines dementiell erkrankten Menschen kann es oft nicht fassen, wie positiv verändert sie ihren Erkrankten nach solch einem Luft – und Lebensumfeld-Wechsel wieder sieht.

Ich kann Ihnen nicht erklären, welche Mächte da mit im Spiel sind, die so viel Positives bewirken. Ich kann Ihnen nur raten, dass Sie es selbst einmal ausprobieren.
Zögern Sie nicht lange damit, denn jeder Tag ohne Freude verkürzt das Leben entsprechend.

Autor: Frau Michelle Schauf

E-Mail: [email protected]

Weitere Informationen:

  • Betreuter Urlaub mit Demenzkranken

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